DIAGNOSTIK BEI PROSTATAKREBS

Die Diagnostik bei Verdacht auf Prostatakrebs bestand bisher aus Tastuntersuchung der Prostata (sog. digital-rektale Untersuchung, DRU) sowie Bestimmung eines Blutwerts, dem sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA). Bei auffälligen Befunden wurde eine ultraschall-gesteuerte Biopsie der Prostata durch den Enddarm durchgeführt. Diese Herangehensweise wird heute zunehmend kritisch gesehen. Heute gilt es primär unnötige Biopsien zu vermeiden. Falls jedoch biopsiert werden muss, sollte die Biopsie den Tumor präzise in der Prostata lokalisieren und sicherstellen, dass in der übrigen Prostata keine weiteren Tumoren vorliegen. Dies ist auch von grösster Bedeutung für die Planung einer fokalen Therapie. Die Lösung lautet mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie der Prostata.

Gefahren und Limitationen einer herkömmlichen Prostatabiopsie

In der abgebildeten Prostata sind 2 Tumoren lokalisiert: In der Bildmitte oben, mit dunklem Zentrum, ein aggressives, behandlungsbedürftiges Prostatakarzinom, in der Abbildung links, hellblau, ein nicht-behandlungsbedürftiges, insignifikantes Karzinom.


Abb.1. Beide Tumoren in der Prostata werden nicht getroffen.

Abb.2. Der Niedrigrisikotumor wird diagnostiziert, der aggressive und gefährliche Tumor wird übersehen.

Abb.3. Das relevante Prostatakarzinom wird nur in der Peripherie getroffen und dadurch in seiner Aggressivität unterschätzt.

Abb.4. So soll es sein. Das behandlunsbedürftige Prostatakarzinom wird zielgerichtet getroffen.

 

Um unnötige Behandlungen beim Prostatakarzinom zu vermeiden, ist es wichtig, zwischen signifikanten (behandlungsbedürftigen) und insignifikanten (nicht-behandlungsbedürftigen) Tumoren zu unterscheiden. Diese Unterteilung gründet sich u.a. auf die feingewebliche (histologische) Untersuchungen von Gewebeproben aus der Prostata.

Standardverfahren ist die systematische transrektale ultraschallgesteuerte Biopsie (TRUS). Hierbei werden über den Enddarm 10–12 Biopsiezylindern aus der Prostata entnommen. Die Sensitivität dieser herkömmlichen Methode ist jedoch limitiert. Sie liegt in Autopsiestudien bei 53 %. D.h. im Rahmen der Biopsie wird der Tumor schlicht und einfach übersehen (Abb. 1). Gelingt der Nachweis eines Prostatakarzinoms mit der TRUS-Biopsie, so stellt sich die Frage, ob das Ergebnis der Biopsie tatsächlich das feingewebliche Tumorstadium korrekt identifiziert. Dies ist für die Therapieplanung oder Prognoseabschätzung der Erkrankung von immenser Bedeutung.

Tatsächlich liegt das Risiko einer Fehlklassifizierung, d.h. aggressive Tumoren werden übersehen oder in ihrer Aggressivität unterschätzt, durch die herkömmliche Prostatabiopsie zwischen 21 % und 54 % (Abb. 2 und 3). Idealerweise sollte der aggressive, behandlungbedürftige Tumor zielgerichtet biopsiert und klassifiziert werden (Abb. 4). Nur so kann eine optimale Beratung des Patienten gewährleistet werden.

Was ist ein mpMRT der Prostata?

 

Das mpMRT der Prostata (= multiparametrische Magnetresonanz-Tomographie der Prostata) ist ein bildgebendes Verfahren zur Prostata-Diagnostik. Bei dieser speziellen Kernspinuntersuchung wird eine Standarduntersuchung mit einer Kontrastmitteluntersuchung und einer Dichtemessung des Gewebes kombiniert.

Dadurch kann ein erfahrener Radiologe krebsverdächtige Regionen innerhalb der Prostata mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit finden. Oft handelt es sich dabei um Stellen, die bei der herkömmlichen Stanzbiopsie nicht erreicht werden. Die mpMRT kann klinisch nicht relevante Tumore von aggressiven Tumoren differenzieren und helfen, unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Wir kooperieren hier eng mit der radiologischen Abteilung https://radiologie.merianiselin.ch/ unseres Premiumpartners, der Merian Iselin Klinik in Basel. Ein Kernteam von 3 Spezialisten ist hier für die Untersuchung und Befundung der mpMRTs der Prostata zuständig. Mit mehr als 500 Untersuchungen pro Jahr können wir als Zuweiser, aber auch unsere Patienten, auf eine grosse Erfahrung und eine sehr hohe Expertise auf diesem Gebiet vertrauen.

Was ist eine mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie?

 

Die Bilder der mpMRT-Untersuchung werden vom Radiologen und dem Urologen zusammen begutachtet, tumorverdächtige Areale werden eingezeichnet. Diese markierten Bildaufnahmen werden am Tag der Biopsie in das Biopsiegerät, das zur Kontrolle der Gewebeentnahme der Prostata (Prostatabiopsie) benutzt wird, eingelesen. Bei alta uro wird die mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie der Prostata mit dem BiopSee® System durchgeführt.

Die Biopsien werden über den Damm und nicht über den Enddarm entnommen. Das Risiko einer Keimverschleppung und folgenden Infektion kann dadurch nahezu ausgeschlossen werden. Der Eingriff erfolgt kurzstationär in Narkose.

Keine fokale Therapie ohne mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie

 
Die mpMRT/TRUS-Fusions- und Mappingbiopsie der Prostata ist Voraussetzung für die Planung einer fokalen Therapie. Die normale transrektale Biopsie der Prostata ist hierzu unzureichend (vgl. Studie 1 weiter unten)

 

Studien zeigen eine deutlich präzisere Prostatakarzinomdiagnostik

 

In der im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichten PRECISION-Studie (2) konnte erstmals mit höchster wissenschaftlicher Qualität gezeigt werden, dass die Kombination aus MRT und anschliessender gezielter Fusionsbiopsie präzisere Ergebnisse liefert als die herkömmliche Ultraschall-gesteuerte Biopsie. Knapp 30 % der Studienteilnehmer, die ein im MRT erhalten hatten wiesen einen unauffälligen Befund auf. Folglich blieb ihnen die standardmässig angewandte Biopsie erspart, der sich die Teilnehmer ohne MRT unterziehen mussten.

Basierend auf den MRT-Daten und der gezielten Biopsie in den zuvor als auffällig identifizierten Arealen, wurde bei 38 % ein relevanter Prostatakrebs diagnostiziert. Mit der Standardbiopsie fand man nur bei 26 % der Patienten einen relevanten Prostatakrebs. Diese Resultate zeigen, dass die Risikobewertung eines Prostatakrebs-Verdachts per MRT und Fusionsbiopsie deutlich präziser ist als die bislang praktizierte Ultraschall-gesteuerte Biopsie.

Darüber hinaus reduziert das gezielte Vorgehen die Diagnose von meist nicht behandlungsbedürftigem Prostatakrebs um 50 %. Dieser stellt für betroffene Männer zwar keine Gefahr dar, erzeugt durch die Diagnose einer Krebserkrankung jedoch oftmals eine grosse seelische Belastung.

1. van der Poel HG, van den Bergh RCN, Briers E, et al. Focal Therapy in Primary Localised Prostate Cancer: The European Association of Urology Position in 2018. Eur Urol. 2018;74(1):84-91.

2. Kasivisvanathan V, Rannikko AS, Borghi M, et al. MRI-targeted or standard biopsy for prostate-cancer diagnosis. New England Journal of Medicine. 2018;378(19):1767-77.
„Bei der Behandlung von Prostatakrebs steht die Lebensqualität der Betroffenen für uns an erster Stelle. Die fokale Therapie ergänzt unsere verfügbaren Verfahren ideal und schliesst die Lücke zwischen aktiver Überwachung und Operation oder Bestrahlung.“
Dr. med Georg Müller
alta uro, AG Basel